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Posts Tagged ‘Great Highland Bagpipe’

Ein Piper schrieb mir, dass er den Artikel über die Drone Reeds sehr interessant fände, aber er wäre noch gar nicht so weit, dass er sich um das Fine-Tuning kümmern könnte. Sein Problem sei, wie er neue Reeds einbauen und zum Laufen bringen könne.

Also, zurück zum Anfang:         Das Einbauen von Drone-Reeds.

Wir haben hier grundsätzlich zwei Ausgangssituationen:

1. In der Pipe sind bereits Drone Reeds eingebaut, die mehr oder weniger gut funktionieren. Das dürfte der Normalfall sein. Stimmen Sie zuerst Ihre Pipe mit den bisherigen Reeds, so gut es geht. Das ist wichtig! Entfernen Sie dann dasjenige Tenor-Drone Reed, das am schlechtesten funktioniert. Lassen Sie die anderen Reeds in der Pipe. Ein Anfänger ist völlig überfordert damit, mehr als ein Reed zu setzen. Profis können das, aber die brauchen auch nicht diese Anleitung zu lesen.

oder

2. In der Pipe sind noch keine Drone Reeds eingebaut. In diesem Fall verstopfen wir die Bass-Drone und eine Tenor-Drone mit einem Korken oder Gummistopfen am oberen Ende, damit keine Luft entweichen kann.

 

Wir beginnen also grundsätzlich nur mit einem einzigen Drone Reed
und das ist immer ein Tenor-Drone Reed.

 

Ein Tenor-Reed deswegen, weil sich diese Reeds im Allgemeinen leichter einbauen, einblasen und einstimmen lassen als Bass Drone Reeds.

Vorbereiten des Reeds

Neue Reeds haben am offenen Ende meist eine Wicklung, die in den seltensten Fällen mit der Bohrung in der Drone zusammenpasst. Manche Hersteller verzichten konsequenterweise auf diese Wicklung, andere verpassen ihren Reeds so eine Art Gummischlauch als Abdichtung.

Ihre erste Arbeit am Reed ist es also, den Außendurchmesser des Röhrchens an den Innendurchmesser der Drone am Reed-Sitz anzupassen. Ich wiederhole mich : jeder Pipe-Maker hat seine eigenen Vorstellungen, wie groß seine Bohrungen sein sollten. Ähnlich individualistisch denken die Reed-Maker. Dass beide den gleichen Durchmesser bevorzugen, ist seltener Zufall, bzw. kommt nur bei Reed-Makern vor, die auch Pipes herstellen oder mit einem Pipe-Maker eng zusammenarbeiten.

Testen Sie also zuerst, ob das Reed in die Drone passt, es sollte sich ca 1 cm einschieben lassen und dann fest sitzen. Manche Drones haben innen ein Gewinde, da müssen Sie das Reed eindrehen. Ansonsten ist drehen nicht so sehr empfehlenswert, manche Reeds können dabei abbrechen. Wenden Sie auf jeden Fall nicht zu viel Kraft an!

Wenn das Reed zu groß ist, wickeln Sie die Wicklung komplett ab.

Machen Sie eine neue Wicklung aus schwarzem, gewachstem Hanf oder aus gelbem Hanf, den Sie vorher selbst wachsen. Legen Sie die einzelnen Windung sauber nebeneinander. Wickeln  Sie STRAMM. Lose Wicklungen halten nicht. Anfang und Ende der Wicklung sichert man mit einem halben Mastwurf (siehe MacEge’s Handbuch für den schottischen Dudelsack).

Testen Sie wiederholt, ob das Reed jetzt passt. Es hat keinen Sinn, zu dick zu wickeln.

Wenn das Reed von Anfang an zu klein ist, können Sie die vorhandene Wicklung oder den Schlauch als Unterlage lassen und einfach darüber wickeln. Auch hier gilt : Stramm wickeln!

Einbau des Reeds

Wenn die Wicklung passt, schiebt man das Reed in den Reed-Sitz und richtet es seitlich aus, so dass es fluchtet und nicht die Bohrung im Drone-Stock streift. Man kann mit der Handfläche oder dem Daumenballen schieben und muss nicht sehr zaghaft sein. Ich knüpfe dann noch ein kurzes Stück schwarzen Hanf um das Reed und klemme ihn beim Einbau der Drone mit der gelben Wicklung fest. Dann kann das Reed, falls es sich lockert, nicht in den Bag fallen.

Manche Drones haben ein Gewinde – siehe oben – auch bei diesen empfehle ich die Sicherungsschnur.

Testen des Reeds

Jetzt kann die Drone in den Stock gesteckt werden und das neue Reed wird gegen die alten Reeds oder gegen den Chanter getestet. Vorläufig geht es nur um die Funktion. Spricht das Reed an? Hält es den Druck aus? Stimmt (ungefähr) die Tonhöhe?

Am einfachsten ist es, wenn die alten Drone Reeds laufen, dann braucht man die Drone mit dem neuen Reed nur solange zu verschieben, bis sie mit den „alten“ Drones zusammenstimmt. Dabei muss der Chanter ein korrektes High A oder ein D tönen, denn sonst stimmen die Druckverhältnisse nicht.

Piper, die keine Reeds in den anderen Drones haben, müssen das neue Drone Reed gegen den Chanter stimmen. Das ist nicht so einfach und braucht ziemlich viel Geduld und Erfahrung. Hier ist eine „Dritte Hand“ sehr hilfreich oder zur Not auch ein Stück Klebeband, mit dem das 2. bis 4. Griffloch von unten abgeklebt wird, sodass allein mit der linken Hand ein sauberes Low A gegriffen werden kann. Die rechte Hand ist dann frei und kann die Drone verstellen, bis der Drone-Ton und das Low A zusammenstimmen.

Einspielen des Reeds

Nicht nur die alten Cane-Reeds, sondern auch die modernen Kunststoffreeds brauchen ein bisschen Einspielzeit, bis sie das Maximum an Klang und Stimmung erreichen. Ich empfehle daher das neu gesetzte Reed zuerst eine Stunde zu spielen; muss ja nicht am Stück sein! Erst dann sollte man durch die üblichen kleinen Änderungen am Reed den Klang optimieren.

Stimmen der Drone

Die Tenor Drone soll genau so klingen, wie das Low A des Chanters. In Wirklichkeit ist sie eine Oktave tiefer, aber der Klangeindruck ist der selbe. Das korrekte Stimmen einer Drone ist für einen Anfänger nicht einfach. Beginnen Sie damit, die Drone fast ganz zusammenzuschieben, dann sind Sie mit Sicherheit auf der falschen Seite, aber Sie haben einen festen Bezugspunkt, von dem Sie ausgehen können. Wenn Sie mit halbausgezogener Drone starten, hören Sie wahrscheinlich nicht, ob Sie zu hoch oder zu tief sind und müssen erst herumprobieren, um das festzustellen. Eine eindeutig falsche, aber bekannte Ausgangsposition führt schneller zu guten Ergebnissen.

Halten Sie den Chanter mit der linken Hand, alle Grifflöcher geschlossen. Mit den abgeklebten Grifflöchern für die rechte Hand bzw. der „Dritten Hand“ soll das Low A ertönen. Diesen Ton halten Sie während des gesamten Stimmvorgangs – er ist Ihre Referenz für das Stimmen. Mit der freien rechten Hand machen Sie durch Höherschieben des oberen Dronestückes die Drone insgesamt länger und damit den Ton tiefer. Drehen Sie dabei das Drone-Top, es geht leichter so.

Man kann es gut hören, wenn Chanter-A und Drone übereinstimmen.

Seitenhieb: wenn beim Stimmen die Drone aus dem Drone Stock rutscht, dann ist entweder ihre untere Wicklung zu dünn und muss nachgewickelt werden, oder ihre obere Wicklung ist zu fest und sollte gefettet (Hirschtalg) oder ein bisschen abgewickelt werden.

Regel: Die Drone muss fest im Stock stecken bleiben und das Drone Oberteil muss gut gleiten, aber nicht von selbst verrutschen!

Den besten Ton erhalten Sie, wenn das Oberteil soweit ausgezogen ist, dass von der gelben Wicklung ein kleines Bisschen zu sehen ist. Falls die Drone einen Finger breit weiter zusammengeschoben ist, kann man das auch noch akzeptieren. Wenn der Ton stimmt, schauen Sie, wie weit die Drone ausgezogen ist und dann lesen Sie weiter bei dem Beitrag : „Drone Reeds – Tonhöhenregulierung“.

Drone Slide (Silber, graviert)

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Tenor Drone einer Murray M7. Sie ist korrekt gestimmt und lässt gerade noch den gelben Hanf ahnen. 

So ungefähr sollte Ihre Drone auch eingestellt sein.

Die weiteren Reeds

Erst wenn das eine neue Reed perfekt spielt und eingestimmt ist, sollte man als nächstes das Bass-Drone-Reed setzen. Genauso sorgfältig. Und genau so sorgfältig einstimmen und einspielen. Unterschätzen Sie die Probleme nicht: das Bass-Drone-Reed hat seine eigenen Mucken und Launen!

Das zweite Tenor-Drone-Reed wird als letztes gesetzt. Übereilen Sie das nicht ! Drei Reeds verlangen eine ganze Menge an Blastechnik und Können. Wenn Sie zu früh alle drei Drones laufen lassen, verhunzen Sie mit großer Wahrscheinlichkeit Ihre Blastechnik und gewöhnen sich an die dadurch erzeugten Tonschwankungen. Es macht gar nichts, wenn Sie als Anfänger nur mit zwei Reeds spielen – die alten Pipes vor 1800 hatten auch nur zwei Drones. Kein falscher Ehrgeiz bitte! Ich lasse meine Schüler frühestens nach 3 Jahren mit allen drei Drones spielen.

In der nächsten Folge : Anpassung an die Tonqualität

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