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Archive for März 2010

 

Wussten Sie schon ? Rund ein Sechstel der ausgeatmeten Luft  ist Wasserdampf!

Wenn Sie einen Pipe-Bag aufblasen, sind schon ungefähr 1 – 1,5  Gramm Wasserdampf im Bag, bevor ein Ton aus den Pfeifen kommt. Und mit jedem Atemstoss kommen weitere 0,3 – 0,5 Gramm dazu.  Die Luft im Bag kühlt rasch ab und verliert damit einen Teil ihrer Fähigkeit, Wasserdampf festzuhalten:  der Wasserdampf kondensiert aus, wird also zu flüssigem Wasser, und schlägt sich nieder:  Überall, an der Innenseite des Bags, an den  Drone Reeds, an den Zungen des Chanter Reeds, an der Innenseite der Bohrungen im Holz. Bei einer einstündigen Parade  entspricht das ungefähr dem Inhalt eines kleinen Bierglases. (Kein Wunder, dass Piper anschliessend ihren Feuchtigkeitsgehalt wieder auffüllen müssen.)

Die physikalischen Anforderungen an einen Bag sind klar definiert :

– er muss möglichst luftdicht sein.

– er muss den Wasserdampf nach aussen abführen.

– er muss mit dem flüssigen Kondenswasser fertig werden.

Es ist unbestritten, dass ein Windbalg oder Pipe-Bag möglichst luftdicht sein sollte. Eine Menge Probleme beim Pipen entstehen durch einen undichten Bag oder durch nicht dicht eingebundene Stocks – was manche mit einem undichten Sack verwechseln. Testen Sie Ihren Bag regelmässig, indem Sie Gummi-Stoppers (keine alten Weinkorken, die sind nicht luftdicht!) in die Stocks drücken und dann den Bag aufblasen. Was das Problem der Dichtigkeit angeht, könnte man auch Gummi-Bags  herstellen und wäre alle Sorgen um undichte Bags los, gäbe es da nicht das Problem der Feuchtigkeit.

Kunststoff-Bags und andere moderne Bags

Kunststoffbags, dazu rechne ich auch  „beschichtete“ Lederbags ,   verwenden Dichtungs-Folien aus Polytetrafluorethen (PTFE bzw. Teflon), bekannt unter der Markenbezeichnung „Goretex“ (es gibt noch andere Marken). Die Teflon-Folie ist unglaublich dünn ausgezogen und enthält Mikroporen (also kleine Löcher, die etwa 20.000 mal kleiner sind als ein Wassertropfen). Das Material ist damit absolut wasserdicht, lässt aber Wasserdampf durch. Unter Winddruck, auch im Bag, werden die Poren etwas zusammengedrückt, also geschlossen, wodurch das Material ausreichend gut luftdicht wird.

Im Wikipedia steht dazu:

„Für die Funktion der Membran ist (…) ein ausreichender osmotischer Druck und eine Temperaturdifferenz von etwa 15 °C nötig. Somit funktioniert diese Atmungsaktivität nur bei Außentemperaturen niedriger als ungefähr 15 bis 18 °C. Bei höheren Temperaturen diffundiert nur noch wenig Wasserdampf durch die Membran.“

Für uns Piper bedeutet das, dass in Bezug auf Feuchtigkeit diese Bags am besten funktionieren, wenn die Umgebungstemperatur kühl ist. Bei warmem Wetter wird fast kein Dampf nach aussen abgegeben. Es bedeutet aber auch, dass  bereits  kondensierte Atemfeuchtigkeit als flüssiges Wasser im Bag verbleibt und nach dem Spielen irgendwie entfernt werden muss, da es sonst zu unliebsamen Erscheinungen wie muffigem Geruch oder gar Schimmel kommen kann.

Sinnvoll ist dabei die Kombination von Ventilen mit Watertraps, wie z.B. das Mössle-Kombi-Ventil oder das Moose-Ventil, die das bereits in der Blowpipe kondensierte Wasser auffangen und in den Spielpausen durch das Mundstück ablassen. Diese Systeme, die im Blowpipe-Stock von aussen montiert werden, funktionieren ohne zusätzliche Öffnungen im Bag und sind sehr zuverlässig.

Ich persönlich habe schlechte Erfahrungen gemacht mit Vorrichtungen, die mit Schläuchen, Flaschen, Canistern etc versuchen, die kondensierte  oder noch dampfförmige Feuchtigkeit aufzufangen. Die Reissverschlüsse, bzw. Montageschienen, die zur Wartung dieser Apparate erforderlich sind, stellen eine zusätzliche  Fehlerquelle dar. Auch das  Austrocknen des Kunststoffbags nach dem Spielen kann eine Herausforderung an die Erfindungsgabe des Pipers darstellen – ein Bekannter, der von Beruf Ingenieur für Lüftungsanlagen  ist, hat sich eine elektronisch geregelte Belüftungsvorrichtung zum Trocknen des nassen Bags gebaut.  Ein bewährter  Low-Tec-Trick ist es, an einem Faden einen Tampon festzubinden und vor dem Spielen in den Bag zu werfen. Nach dem Spielen kann er wieder an dem Faden herausgezogen werden und der Bag bleibt innen trocken. Aber das kann jeder handhaben, wie er es möchte.

Traditionelle Leder-Bags

Bei der GHB werden traditionell Bags aus Schafleder, Rindsleder, Kalbsleder, Elchleder verwendet. Andere Ledersorten haben nur lokale Bedeutung; z.B. Känguruleder (Australien) oder Ziegenleder (Pakistan).  Schafleder hat die grössten Poren, Elk die kleinsten. Diese Poren müssen mit einem geeigneten Dichtungsmittel (Seasoning oder Dressing) verstopft werden, das den Bag luftdicht macht, aber die Feuchtigkeit hinauslässt. Mehr über  Seasoning in einer der nächsten Folgen .

Nehmen wir einmal an, dass Sie „heisses“ seasoning verwenden (z.B. aus der bekannten karierten Blechdose). Es wurde vor ca. 80 Jahren entwickelt, um die bei den britischen Truppen in den Tropen üblichen gross-porigen Schafbälge abzudichten. Dafür ist es auch hervorragend geeignet. Es hinterlässt an der Innenseite des Bags eine wachsartige Schicht, die perfekt luftdicht ist.  Leider kann Wasserdampf nicht oder nur sehr schwer entweichen, flüssiges Wasser wird nur ganz schwach aufgenommen. In den Tropen und mit grossporigen Schaflederbags ist das alles kein Problem. Aber hierzulande schon: viele Probleme mit nassen Reeds und Wasser im Bag werden nicht durch den Lederbag verursacht, wie manche Piper meinen, sondern schlicht und einfach durch das falsche Seasoning.

Anders dagegen, wenn Sie „kaltes“ Seasoning benutzen ; z.B. „Angus Seasoning“ oder „MacEge’s Seasoning“. Dann passiert Folgendes : Der Wasserdampf in Ihrer Atemluft wird vom Seasoning teilweise aufgenommen und gasförmig an die Aussenseite des Bags abgeführt. Ein Teil der Atemfeuchtigkeit  kondensiert zu flüssigem Wasser, das sich an der Innenseite des Bags niederschlägt. Das hygroskopisch wirkende  Seasoning bindet das Wasser und gibt den Überschuss weiter an das Leder. Das Leder nimmt die Feuchtigkeit auf, wird also nass. Stehendes Wasser tritt im Bag nicht auf. Bereits während Sie spielen, gibt das Leder einen Teil der  Feuchtigkeit an die Umgebungsluft ab. Nach dem Spielen trocknet das Leder ganz normal ab, was bei sehr nassen Bags durchaus einen Tag dauern kann. Ein Lederbag mit einem geeigneten Seasoning erfüllt also sämtliche Anforderungen, die ein Piper an seinen Bag stellen kann. Das oben erwähnte Mössle-Kombi-Ventil oder das Moose-Ventil sind auch bei diesen Bags eine überaus sinnvolle Ergänzung.

Statt einer Zusammenfassung

Mein Elk-Bag mit Angus-Seasoning  ist nun seit über 18 Jahren in Benutzung. Er ist perfekt dicht und ich habe in dieser langen Zeit keine Probleme mit durchfeuchteten Reeds gehabt, obwohl der Bag nach Fasnets-Umzügen auch mal patsch-nass war. Nach  1-2 Tagen war er wieder von alleine trocken. Was will ich mehr?

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Nasse Pipe-Chanter-Reeds

 Wenn Sie mal eine traditionelle Reed-Maker-Werkstatt besuchen sollten, dann fällt Ihnen sehr bald auf, dass die ganzen Reeds, solange sie sich in der Produktion befinden, nass sind. Sie werden nicht nur feucht gemacht, sondern die Rohlinge schwimmen im Wasser, bevor sie grob zugeschnitten werden, sie stehen in allen Zwischenschritten im Wasser, sogar noch als aufgebundene Blätter, solange, bis sie ganz fertig gestellt sind. Wenn der Reedmaker die neuen Reeds im Chanter testet, sind sie noch klitschenass. Und wenn Sie mal Gelegenheit haben, einen Oboe-Spieler oder einen Fagottisten zu beobachten, dann werden Sie feststellen, dass diese Musiker ihre Doppelrohrblätter minutenlang im Wasser einweichen, bevor sie sie in das Instrument stecken und spielen. Auch Klarinettisten und Saxophonisten machen ihre Reeds vor dem Spielen nass. Prinzipiell gilt : Chanter-Reeds (Doppelrohrblätter) vertragen Feuchtigkeit!  

Vorsicht ! Bei Drone Reeds kann das anders sein!

Ein nasses Reed braucht weniger Druck beim Blasen, als ein trockenes. Es wird also weicher und spricht leichter an. Wenn Sie Reeds kaufen, die bereits im trockenen Zustand  butterweich sind, dann werden diese Reeds durch Nassmachen total matschig und verlieren jeglichen Klang. Das hat entscheidend  zu dem schlechten Ruf der nassen Reeds beigetragen.

Wenn Sie aber ein mittleres oder härteres Reed kaufen und dieses wässern, dann wird es leicht zu blasen sein und hat auch im nassen Zustand einen guten Klang, spricht sauber an und reagiert präzise auf Ihre Fingerbewegungen! Das manchmal beobachtete „Stocken“ oder „Hängenbleiben“ kommt praktisch nicht mehr vor. Und : sehr gute Reeds in mittlerer oder härterer Stärke sind häufiger zu finden als sehr gute Reeds, die butterweich sind.

Wenn Sie ein derartiges, nass gemachtes Reed spielen, dann wird es sich im Klang kaum verändern, auch nicht bei Nebel oder bei Regen und auch nicht bei stundenlangem Spielen.

Der Trick besteht darin, das Reed genau richtig nass zu machen, nicht zu viel und nicht zu wenig,  sondern so, wie es durch das Spielen von allein nass werden würde. Es nützt nicht viel, das Reed 10 Minuten zu wässern und dann zu spielen. Das Reed würde zuerst viel zuviel Wasser aufnehmen und dann beim Spielen trockener werden (wie Wäsche im Wind) und die Stimmung verändern. Wässern Sie das Reed vor dem Spielen fünf bis zehn Sekunden (ausprobieren!), dann bleibt es stabil und lässt sich leicht blasen

Sie können  ein nass geblasenes Reed nach dem Spielen ohne weiteres im Balg belassen und vermeiden damit die Gefahr, dass es beim Ausbauen beschädigt wird. Und es hat beim nächsten Mal  schnell  die richtige Feuchtigkeit, muss also, wenn Sie in der Woche zwei- bis dreimal spielen,  nicht jedes Mal neu gewässert werden. Sie nehmen die Pipe aus dem Koffer und legen los. (Stimmen nicht vergessen!)

Ein weiterer Vorteil von nass geblasenen Reeds ist, dass Sie sich den ganzen Zauber an Vorrichtungen zum Trockenblasen der Reeds sparen können. Keine Flaschen, keine Schläuche, keine Kanister mehr im Bag, kein Katzenstreu, kein Schwamm, kein Reissverschluss nötig. Sie müssen auch nicht mitten in einem Umzug den Schwamm oder den Kanister auswechseln…. (Was machen Sie eigentlich mit dem nassen Schwamm? Etwa in den Sporran stecken? Oder zwischen die Zuschauer werfen?)

Bei so viel Licht gibt es natürlich auch Schatten:

Die Haltbarkeit der nassen Reeds ist etwas geringer. Aber mal ehrlich: wie viele Reeds brauchen Sie im Jahr? Bei mir hält ein Reed gut ein Jahr oder anderthalb. Würde ich es trocken spielen, täte es vielleicht zwei Jahre halten. Lohnt das den Aufwand ? – ich glaube nicht. 

Worauf Sie tatsächlich achten müssen, ist Schimmelbildung. Solange das Reed nur dunkel anläuft, ist alles in Ordnung. Geben Sie von Zeit zu Zeit (etwa halbjährlich) einen Tropfen Sagrotan auf die Blätter, dann wird Schimmel zuverlässig unterdrückt. Aber das Problem ist nicht so häufig, wie man allgemein sagt. Wir haben in unserer Gruppe in Herrenberg bei sieben Pipern im vergangenen Jahr nur einmal ein verschimmeltes Reed gehabt, und das war schon einige Jahre alt. Und niemand von uns benutzt Sagrotan.

Einfach der Vollständigkeit halber will ich noch darauf hinweisen, dass Shepherd ausdrücklich davon abrät, seine Reeds nass zu machen. Vielleicht, weil er auch Trocknungssysteme verkauft?  Honi soit qui mal y pense.  Nach meiner Erfahrung spielen Shepherd-Reeds genausogut auch nass.

In der nächsten Folge geht es darum, wie der Bag mit dem Problem Feuchtigkeit fertig wird.

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REEDS !

 Das alte Problem. – Über kein anderes Thema wird in Piperkreisen so viel diskutiert.

Über kein anderes Thema sind so viele irrige Meinungen, Halbwahrheiten und „Märchen“ im Umlauf.

Ich möchte in loser Folge ein paar Tipps geben, wie Sie lernen können, mit Reeds besser umzugehen. Damit können nicht alle Probleme mit Reeds ausgeräumt werden, aber vielleicht werden Sie in Zukunft etwas leichter leben und können Ihre Aufmerksamkeit darauf richten, was eigentlich Ihr Ziel ist : Bagpipes zu SPIELEN . Das basteln können Sie dann anderen überlassen.

Fangen wir also an mit Pipe Chanter Reeds !

Sie müssen sich irgendwann entscheiden, ob Sie die Reeds nass oder trocken spielen wollen. Beide Möglichkeiten sind gegeben, beide sind korrekt und richtig, haben aber unterschiedliche Konsequenzen, die Sie beachten sollten! Es ist nicht möglich, ein und das selbe Reed mal nass und mal trocken zu spielen.

„Trockene“ Reeds

Bei vielen deutschen Pipern herrscht die Meinung vor, dass Pipe Chanter Reeds unter keinen Umständen nass werden dürften. Nasse Reeds hätten einen schlechten Klang, würden schimmeln und seien nicht lange haltbar. Das sind die gängigen Vorurteile, die in einem gewissen Rahmen tatsächlich zutreffen.

Da mit der Blasluft jede Menge Feuchtigkeit in den Bag und an die Reeds geblasen wird, müssen die Anhänger der „Trockene-Reeds-Fraktion“ alle Anstrengungen unternehmen, unter beträchtlichem technischem und finanziellem Aufwand, um die Reeds beim Spielen möglichst trocken zu halten. So werden komplizierte und teilweise sehr teure Auffangbehälter im Bag installiert, die Trockenmittel (Katzenstreu) oder Schwämme enthalten können, um die Atemfeuchtigkeit zu binden. Die verwendeten Trockenmittel geben leider einen feinen Staub ab, der sich auf den Zungen der Drone Reeds niederschlägt und den Ton verändert, bzw. die Reeds zum Stoppen bringt. Als Gegenmittel werden Filter in die Dronestocks eingebaut, die den Staub abfangen sollen.

Damit man die Trockenmittel wechseln kann, werden ein Reissverschluss im Bag oder Klemmschienen eingebaut, die aber auch notwendig sind, um nach dem Spielen den Kunststoff-Bag austrocknen zu können, denn die folienbeschichteten Bags trocknen von alleine nicht aus. Ein Reissverschluss im Bag ist aber ungefähr so sinnvoll wie ein Furunkel am A… Man lebt besser und leichter ohne ihn.

Trotz allem Aufwand bleiben die Reeds bei längerem Spielen nicht ganz trocken – einen Umzug von einer Stunde Dauer, vor allem bei kühlem Wetter,  stehen sie nicht durch.

Trockene Reeds haben wirklich Vorteile : Man kann ganz leichte Reeds nehmen und erhält trotzdem einen klaren, sauberen Klang, auch in den tiefen Tönen.  Und die Reeds spielen sofort in gewünschter Weise und müssen nicht erst nassgespielt werden.  

Die Nachteile sind ebenso klar: wenn sie mal feucht werden, wird der Ton matschig, deutlich leiser und rutscht „nach unten“, der Chanter verstimmt sich. Und man hat die Umstände und die Kosten der Trocknungssysteme. Und muss nach dem Spielen die Reeds aus dem Bag nehmen und so verstauen, dass sie trocknen können, aber nicht ausdörren.

Das nächste Mal geht es weiter mit „Nasse Reeds“.

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